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Samen keimen: Warum ist das sinnvoll?

Ernährung

Du möchtest mehr zum Thema Samen keimen wissen? Nachfolgend erfährst du, welche Vorteile gekeimte Samen haben, wie du in 3 einfachen Schritten selber keimen kannst, ob das enthaltene Protein gesund ist, was ein Samen überhaupt ist und vieles mehr.

Zusammenfassung: Samen keimen – warum ist das sinnvoll?

  • Das Samen keimen hat zahlreiche Vorteile. Die enthaltenen Nährstoffe werden für deinen Körper besser verfügbar, ebenso das enthaltene Eiweiß.
  • Gleichzeitig bleiben die wertvollen Ballaststoffe enthalten, die für ein langes Sättigungsgefühl und ein langsames Ansteigen des Blutzuckers sorgen.
  • Gekeimtes Getreide wird besser vertragen und besitzt eine angenehme, natürliche Süße.
  • Samen keimen ist ganz einfach. Du legst die Samen einfach in Wasser und lässt sie quellen, bis ein kleiner Keimling entsteht. Die entstandene Sprossen kannst du entweder frisch verzehren oder schonend trocknen lassen.
  • Durch das Ankeimen steigt der Eiweißgehalt an. Proteine sind wertvolle Bausteine und für zahlreiche wichtige Vorgänge im Körper entscheidend.
  • Ein Samen ist äußerst widerstandsfähig und trägt alles, was er zum Leben braucht, bereits in sich.
  • Durch die harte Schale werden Samen unverdaut wieder ausgeschieden. Die enthaltenen Giftstoffe sorgen dafür, dass sie nicht gefressen werden und nicht von Pilzen oder Bakterien befallen werden.

Samen keimen: Was sind die Vorteile?

  • Vollkorngetreide enthält einen antinutritiven Nährstoff namens Phytinsäure. Dieser wird durch das Samen keimen abgebaut, wodurch das enthaltene Eisen, Calcium, Magnesium und Zink, Vitamin C und E für den Körper besser verfügbar wird.
  • Im Korn befindet sich ein Enzymhemmer, der verhindert, dass die Eiweißenzyme ungestört arbeiten können. Durch das Samen keimen werden diese abgebaut und dein Körper kann das enthaltene Eiweiß wesentlich besser aufnehmen und verwerten, das heißt, die biologische Wertigkeit steigt.
  • Im Vollkorngetreide stecken zahlreiche Ballaststoffe, die dich länger satt machen und dafür sorgen, dass dein Blutzucker nicht so schnell ansteigt. Durch das Samen keimen werden zwar die Antinährstoffe verringert, nicht aber der Ballaststoffgehalt.
  • Die im Korn enthaltene Stärke ist schwer verdaulich und kann dazu führen, dass du dich nach dem Verzehr unangenehm voll fühlst. Beim Samen keimen wird diese Stärke vorgespalten, was dazu führt, dass du gekeimtes Getreide besser verträgst. Ein weiterer positiver Effekt davon ist die natürliche Süße, die beim Samen keimen entsteht.

In 3 Schritten Samen keimen

Früher war das Samen keimen ganz normal. Vielleicht erinnerst du dich noch daran, wie deine Großeltern Getreide oder Hülsenfrüchte über Nacht in Wasser eingeweicht haben, bevor es auf dem Herd weichgekocht wurde.

Damit ein Samen überhaupt keimen kann, muss er erstmal eine spezifische Menge Wasser aufnehmen. Im Samen selbst ist Wasser die Grundlage des Stoffwechsels.

Über die Schale nimmt er aus der Umgebungsluft Feuchtigkeit auf. Während die Samen keimen, bilden sich Wurzeln, die dafür zuständig sind, Nährstoffe aufzunehmen.

Ungekeimte Samen enthalten lediglich zwischen 7 und 14 Prozent gebundenes Wasser, was folgende Vorteile hat:

  • Durch einen höheren Wassergehalt würden die Samen mehr wiegen
  • Zudem wären sie anfälliger für Pilze und Bakterien, die sich in einer feuchten Umgebung wohler fühlen würden. 

Anleitung für das Samen keimen:

  1. Zunächst weichst du die Samen in Wasser ein, damit der Keimprozess im Korn aktiviert wird. Dadurch erwacht das ruhende Korn und wechselt von einer passiven in eine aktive Form.
  2. Lass die Samen solange quellen, bis sich ein kleiner Keimling bildet. Je nach Getreide- oder Sprossenart dauert dies unterschiedlich lang. Manche Pflanzen sind Lichtkeimer, während andere im Dunkeln keimen. Auch die Umgebungstemperatur spielt eine wichtige Rolle.
  3. Du kannst die gekeimten Samen entweder frisch verzehren oder schonend trocknen. Letzteres hat den Vorteil, dass du die Haltbarkeit deutlich verlängern kannst.

Wenn wir Samen keimen und die frischen Sprossen zu uns nehmen, enthalten diese bis zu 80 Prozent Wasser und tragen somit dazu bei, unseren täglichen Flüssigkeitsbedarf zu decken.

Samen keimen: Ist das enthaltene Protein gesund?

Während des Keimvorgangs baut sich der größte Teil des Proteins in freie Aminosäuren ab. Zudem bauen sich neue Eiweiße auf, die der Samen auf dem Weg zur Pflanze benötigt.

Proteine sind wertvolle Bausteine für viele Vorgänge im menschlichen Körper.

  • Sie sind der Grundbaustein des Lebens und sind dafür verantwortlich, wie der Zustand der Haut, des Bindegewebes und der Knochen ist.
  • Sogenannte Kollagene machen bis zu einem Drittel unseres gesamten Körperproteins aus. Sie entscheiden über die Beschaffenheit des Gewebes und unseren Körperbau.
  • Auch zum Aufbau von Muskeln ist Eiweiß ein entscheidender Baustoff.
  • Nicht zuletzt sind  Kreatinstrukturen für die Gesundheit und das Wachstum unserer Haare und Nägel verantwortlich.
  • Proteine übernehmen als Enzyme die Kontrolle von spezifischen chemischen Reaktionen und ermöglichen diese erst.
  • Transportproteine sind im Körper für den Sauerstofftransport im Blut oder den Eisentransport zuständig.
  • Wenn wir uns verletzen, verhindern Proteine einen zu starken Blutverlust, indem sie es zum Gerinnen bringen.

Was ist überhaupt ein Samen?

  • Ein Samen besteht aus dem Keimling, dem Körper und der Umhüllung. Du kannst ihn dir vorstellen wie ein kleines Lebewesen, das im Winterschlaf ist.
  • Der Keimling selbst besteht aus der Wurzelanlage, dem Nährgewebe, der Blattanlage und dem Keimblatt.
  • Um den Keimling herum befinden sich der Mehlkörper, die Aleuronschicht, die Frucht- und Samenschale sowie der Haarschopf.

Der Samen trägt alles, was er zum Leben braucht, bereits in sich und ist äußerst widerstandsfähig. Samenkörner können Tausende von Jahren überleben, ohne Schaden zu nehmen.

Bei geeigneten Bedingungen entsteht aus dem unscheinbaren Samen in kurzer Zeit ein Keim.

Vielleicht warst du schon einmal in einer Wüstenregion, in der es Monate nicht geregnet hat. Wenn der Regen dann plötzlich eintritt, verwandelt sich die ganze Wüste innerhalb kürzester Zeit in ein blühendes Paradies, weil die Samen keimen. 

Warum Samen an sich unverdaulich sind

Die meisten Samen werden in Früchten eingelagert und können weder von uns noch von Tieren verdaut werden.

Stattdessen werden sie einfach wieder ausgeschieden, wodurch neue Pflanzen entstehen können und sie einen bedeutenden Beitrag zur Artenvielfalt leisten.

Wie schützt sich der Samen davor, verdaut zu werden?

  • Zum einen hat er eine harte Schale, die von unserem Körper nach dem Verzehr unverdaut ausgeschieden wird.
  • Zum anderen enthalten Samen Giftstoffe, um nicht gefressen zu werden und Pilz- und Bakterienbefall abzuhalten. Diese können in Einzelfällen so stark sein, dass bereits ein einziger verzehrter Samen zum Tod führen kann.

Video: Macht das Ankeimen von Getreide Sinn?

Fazit

Um aus an sich unverdaulichen Samen Lebensmittel zu machen, die unserem Körper gut tun und uns Energie liefern, solltest du die Samen keimen.

Probiere am besten selbst eine Weile aus, wie du dich beispielsweise nach dem Genuss von herkömmlichem Müsli fühlst und was sich verändert, wenn du auf angekeimtes Müsli umsteigst.


  • F Hübner et al. The influence of germination conditions on beta-glucan, dietary fibre and phytate during the germination of oats and barley. European Food Research and Technology. Abstract. 2010.
  • F Hübner et al. Germination of Cereal Grains as a Way to Improve the Nutritional Value: A review.
  • M Marton et al. The role of sprouts in human nutrition. A review.
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2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Hallo 😀

    ihr schreibt, dass sich der Eiweißgehalt durch den Keimprozess vervielfältigt.
    Was bedeutet das in zahlen, wenn Weizen z.B 11 Eiweiß hat? Wie viel Eiweiß hat der Sprossen nach dem Keimprozess.

    Freue mich auf eine Rückmeldung

    Antworten
    • Elizaveta
      6. Mai 2021 17:52

      Lieber Micha,
      vielen Dank für deine Frage! Entschuldige, dass wir so spät antworten.
      Das Thema, das du ansprichst, ist sehr komplex und spannend. Es gibt mehrere Studien, die den Anstieg des Eiweißgehalts bei manchen Getreidesorten während des Keimprozesses feststellen. Z. B. bei Gerste hat sich in einer Studie gezeigt, dass der Eiweißgehalt nach 96 Stunden des Keimens von 6,1% auf 7,9% gestiegen ist. Für Weizen ist uns leider zur Zeit keine passende Studie bekannt, die genau diesen Aspekt untersucht. Die Erkenntnisse von der Studie über Gerste sind nicht einfach so auf alle anderen Getreidesorten übertragbar. Außerdem spielt nicht nur die Getreideart sondern auch die Keimdauer und die Temperatur eine Rolle. Von der Gesamtheit dieser Faktoren hängen also die Veränderungen im Korn ab, die man nur bedingt generalisieren kann. Dennoch kann festgehalten werden, dass während des Keimprozesses einzelne Aminosäuren (die “Grundbausteine” der Eiweiße) sich ändern und damit die biologische Wertigkeit des Eiweißes steigt. Beim Keimen geht es also nicht nur darum, ob es mehr Eiweiße entstehen, sondern auch darum wie sich ihre Qualität ändert.

      Liebe Grüße
      Elizaveta

      Antworten

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